Geschichte: Karate ist gar nicht mal so einfach!

Als Felix aus dem Dojo kommt, hüpft er ganz aufgeregt und stahlt über das ganze Gesicht. Er rennt Emma, die sich gerade für das Training umgezogen hatte, fast über den Haufen. „Hey, nun mal langsam! Im Dojo muss man aufeinander Rücksicht nehmen!“ sagt Emma zu dem Jungen und schaut ihn ernst an. „Tut mir leid, ich habe Dich nicht gesehen.“, entschuldigt sich Felix. „Stell Dir vor, ich habe gerade meine Prüfung zum gelben Gürtel bei Meister Yamamoto bestanden!“

felixStolz und mit strahlenden Augen steht er nun vor seiner Freundin. Zusammen bewundern sie den neuen Karategürtel. Emma ist zehn Jahre alt und trainiert schon fast vier Jahre Karate. Sie hat sich mit dem gleichaltrigen Felix angefreundet, als er vor 13 Monaten in das Dojo Meisters Yamamoto kam.

Vor einer Stunde sah Felix noch nicht so selbstsicher aus. Aufgeregt stand er in der Reihe der Prüflinge und zupfte nervös an seiner Gi-Jacke herum. „Bloß nicht die letzte Technik in der Kata vergessen!“, sagt er er zu sich. Zwei Mal in der Woche fahren ihn seine Eltern in das schöne Dojo von Meister Yamamoto. „Damit Du Dich mehr konzentrierst!“ sagt sein Papa immer zu ihm. „Damit Du Dich im Notfall auch wehren kannst!“ ergänzt dann seine Mama.

emmaDas Training machte Felix immer großen Spaß und er freute sich, ständig neue Dinge von Meister Yamamoto zu lernen. Am tollsten fand er den Kiai. Die ersten Male hatte er sich zwar noch nicht richtig getraut. Nun nach mehr als einem Jahr gehörte er zu den Kindern in der Gruppe mit dem lautesten Kampfschrei.

Doch jetzt, unter dem strengen Blick seines Meisters, war Felix plötzlich mucksmäuschenstill. Die letzte Technik in der Kata. Sie wollte ihm einfach nicht mehr einfallen! „Du hast so fleißig trainiert! Entspanne Dich und beginne noch einmal von vorn!“, sagte der Meister in ruhigem Ton zu seinem Schützling. Ruhig und gelassen stand Yamamoto vor ihm und zeigte ihm noch einmal die vergessene Blockbewegung. „Und jetzt bist Du an der Reihe!“ ermutigte er Felix. Dann atmete der Junge tief durch und begann noch einmal den Ablauf. Zufrieden beobachtete ihn sein Prüfer und lächelte ihn nach der Kata freundlich an. „Das hast Du sehr gut gemacht! Auch ein großer Meister macht manchmal einen Fehler!“ „Euer Einsatz und Fleiß hat sich ausgezahlt, doch ihr müsst noch viel lernen!“ betonte Meister Yamamoto, während er den glücklichen Prüflingen ihre neuen Karate-Gürtel überreichte.

„Jetzt habe ich Dich bald eingeholt!“ freut sich Felix und blickt Emma mit frechen Augen an. Emma mit ihrem Blaugurt hat schon viele Prüfungen erfolgreich gemeistert. Sie lächelt. „Lieber Felix, Du bist noch ganz am Anfang auf Deinem Karate-Weg und musst noch viel trainieren. Eines ist dabei am wichtigsten: Geduld!“ Dann gibt sie Felix noch einen freundschaftlichen Klaps auf den Rücken und verschwindet ins Dojo. Ihr Training geht nämlich los.